Die Stromboje – eine ausgefallene Idee bekommt wieder Auftrieb. Strombojen sind Strömungskraftwerke, die in Flüssen unter Wasser „schweben“ und Strom erzeugen. Ein Markenrechtsstreit hat die Markteinführung der Stromboje verzögert, doch jetzt soll es weitergehen.

So funktioniert eine Stromboje

Die Stromboje nutzt die kinetische Energie des Wassers frei fließender Flüsse wie Donau, Rhein oder Inn, um über eine Turbine Strom zu erzeugen. Diese Flüsse sind tief genug für den Betrieb der Unterwasserkraftwerke, die ab drei Metern Wassertiefe funktionieren. Sie sind mit Ketten im Boden verankert, und Schwimmkörper sorgen dafür, dass sie nicht untergehen.

Der Erfinder der Stromboje ist der Österreicher Fritz Mondl. Die Stromboje, die er mit seiner Firma Aqua Libre GmbH aus Petronell-Carnuntum entwickelt, kann wetter- und jahreszeitunabhängig je nach Standort bis zu 350 MWh Strom im Jahr erzeugen. Nur bei Niedrigwasser sinkt die Leistung ab. Durch ihr Gewicht, die Länge der Kette, den Auftrieb und den Strömungsdruck richtet sich die Stromboje bei Normalwasserständen immer in der stärksten Strömung knapp unter der Wasseroberfläche ein. Bei Hochwasser ist sie durch Abtauchen vor Treibgut geschützt.

Der Vorteil dieser Kraftwerke: Sie greifen nicht in Ökosysteme ein und schaden weder Fischen, Vögeln, Schimmern noch Booten. Fische werden durch einen Rechen am Durchschwimmen gehindert. Zudem dreht sich der Rotor sehr langsam (50 bis 120 Umdrehungen pro Minute) und hat keine scharfen Kanten. Für die Installation einer Stromboje sind keine baulichen Maßnahmen nötig.

Patentstreitigkeiten legten die Stromboje in St. Goar auf Eis

Der erste größere Strombojen-Park soll im Rhein bei St. Goar entstehen, nahe des Loreley-Felsens. Dort will das Unternehmen MittelrheinStrom 16 Strombojen installieren. Ein Prototyp war schon zwischen Herbst 2019 und Frühling 2020 in einem Nebenarm des Rheins in Betrieb und hat sich dort gut bewährt. Ein Fischmonitoring zeigte, dass die Bojen den Fischen im Rhein wirklich nicht gefährlich werden können. Um dies zu beweisen, werden die Turbinen zur Sicherheit videoüberwacht.

Die Fortsetzung des Projekts verzögerte sich jedoch wegen Patentstreitigkeiten: Die Strombojen in St. Goar stammen nicht von Fritz Mondls Firma Aqua Libre, sondern von der Aqua Libre Energieentwicklungs GmbH (ALEE) aus Margarethen am Moos. Fritz Mondl war hier einst Miteigentümer, trennte sich jedoch im Juli 2019 nach Streitigkeiten per Vergleich von dem Unternehmen. Jetzt dürfen sowohl die ALEE als auch Mondls Firma die Marke Stromboje verwenden und Strombojen herstellen.

Jetzt soll es in St. Goar weitergehen, die erste Stromboje von ALEE wurde im September 2020 erwartet. Sie kostet etwa 250.000 Euro und ist in Dimensionen und Technik der von Fritz Mondl entwickelten Boje sehr ähnlich. Sie ist 11 Meter lang, wiegt 6,4 Tonnen und liefert mit einem 250 cm-Rotor 70 kW Nennleistung bei einer Strömung von 3,3m/s. Das sind bis zu 300 MWh Strom im Jahr, was für 100 Haushalte reicht.

Strombojen im UNESCO Welterbegebiet

Der Vorteil von Strombojen ist, dass sie unsichtbar bleiben. Das ist in St. Goar besonders wichtig, da die Strombojen dort mitten im UNESCO Welterbegebiet Oberer Mittelrhein installiert werden. Die Landschaft wird nicht beeinträchtigt, da nur ein kleiner Teil des Schwimmkörpers sichtbar ist.

Die Stromkabel führen von den Bojen aus ans Ufer und von dort zu einer hochwasserfreien Trafostation, wo sie ans Stromnetz von St. Goar angeschlossen werden. MittelrheinStrom hat bereits die Genehmigung für den Betrieb des Strombojen-Parks mit 16 Kraftwerken bekommen. Der Rhein eignet sich nur an wenigen Stellen für so ein Projekt: Schiffe dürfen nicht behindert werden, gleichzeitig muss die Strömung stark genug sein.

Quellen / Weiterlesen

Innovation: Die Stromboje taucht wieder auf | energie:bau
Projekt mit Minikraftwerken im Rhein verzögert sich | Süddeutsche Zeitung
Der Mittelrhein produziert bald Strom | Ingenieur.de
FAQ – häufig gestellte Fragen zur Strom-Boje | AquaLibre
Das Projekt | MittelrheinStrom 560
Die Aqua Libre GmbH | AquaLibre
Bildquelle: © Aqua Libre GmbH

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3 KOMMENTARE

  1. Strombojen schaden den Fischen höchstwahrscheinlich kaum, auf jeden Fall weniger als Turbinen in Staudämmen, da der Starksog am Ansaugrohr fehlt. Es ist zu erwarten, dass gelegentlich ein Fisch, dessen Sensorik geschädigt war, mit den Rotoren tödlich kollidiert. Also ähnlich wie die (wenigen) Vögel in den Windkraftanlagen. Nicht schön, aber ein geringer Preis für die grüne Energie.

  2. schon die „alten Römer “ hatten auf dem Po Pontons mit „Wassermühlen “ die Korn gemahlen haben.
    Diese Technik ist leider mit Zerfall des „römischen Reiches “ im düsten Mittelalter verloren gegangen.
    Ebenso gab es an den Aquädukten die aus den Bergen kamen kleine Wassermühlen bis ins Tal die unter Nutzung des Gefälles „Mehl mahlen konnten“ alles wurde vergessen.
    Alle diese Techniken könnten mit Moderner Bauweise in Bächen und Flüssen ohne Zerstörung der Landschaft und Umwelt genutzt werden.

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