In Schottland liefert die Gezeitenturbine Orbital O2 erstmals Strom. Sie nutzt die Strömungsenergie von Ebbe und Flut und ist laut Hersteller das leistungsfähigste System weltweit. Sie versorgt tausende Haushalte sowie einen Elektrolyseur zur Herstellung von grünem Wasserstoff.

Inbetriebnahme nach 18 Monaten Bauzeit

Das Gezeitenkraftwerk befindet sich vor der Insel Eday in der schottischen Inselgruppe der Orkneys. Es wurde im Mai nach 18 Monaten Bauzeit von der Stadt Dundee zu den Orkney-Inseln gebracht. Dort werden verschiedene Systeme getestet, die Strom aus der Energie des Meeres erzeugen. Orbital O2 soll die nächsten 15 Jahre in Betrieb sein.

Die Gezeitenturbine ist 680 Tonnen schwer, 74 Meter lang und hat zwei Rotoren mit je zwei Blättern und 20 Metern Durchmesser, die vom ein- und ausströmenden Wasser angetrieben werden. Über ein Unterwasserkabel liefert die Gezeitenturbine den Strom an das örtliche Stromnetz. Sie wird durch ein Vier-Punkt-Verankerungssystem an Ort und Stelle gehalten, wobei jede Verankerungskette theoretisch stark genug ist, um mehr als 50 Busse anzuheben.

Strom für 2.000 Haushalte

Das Kraftwerk kann den jährlichen Strombedarf von 2.000 Haushalten abdecken und versorgt zudem einen Elektrolyseur an Land, der grünen Wasserstoff erzeugt. Der Hersteller Orbital Marine Power bezeichnete seine erste kommerzielle Anlage als einen wichtigen Meilenstein. Geschäftsführer Andrew Scott lobte sein Team für die sichere und erfolgreiche Durchführung dieses Pionierprojekts. Orbital Marine Power strebt die Kommerzialisierung seiner Technologie an und verspricht sich davon auch neue Jobs für Küstenorte.

Andrew Scott dazu: „Unsere Vision ist, dass dieses Projekt der Auslöser dafür ist, Gezeitenstrom auf der ganzen Welt zu nutzen, um zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen und gleichzeitig einen neuen, kohlenstoffarmen Industriezweig zu schaffen.“

Ideale Bedingungen vor der schottischen Küste

Gezeitenstrom ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten, die Energie der Meere zu nutzen. Die Gezeiten sind dabei kalkulierbarer als beispielsweise Wellenkraftwerke, die Strom aus dem Auf und Ab der Wellen erzeugen. Es gibt allerdings auf der Erde nur wenige Orte, an denen der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Ebbe und Flut, groß genug ist, damit sich ein Gezeitenkraftwerk lohnt. Dort wo es sich lohnt, liefern solche Kraftwerke aber zuverlässig das ganze Jahr über Strom.

Vor den Orkney-Inseln sind die Strömungen besonders stark, in der Meerenge Pentland Firth befindet sich sogar der größte Gezeitenstrom Europas. Deshalb hat dort auch das Forschungszentrum European Marine Energy Centre seinen Sitz, das führend bei der Entwicklung von Gezeiten- und Wasserströmungstechnologien ist.

Die O2-Gezeitenturbine wurde von öffentlichen Kreditgebern über die ethische Investitionsplattform Abundance Investment finanziert. Sie erhielt außerdem 3,4 Millionen Pfund (knapp 4 Millionen Euro) aus dem Saltire Tidal Energy Challenge Fund der schottischen Regierung.

Quellen / Weiterlesen

Größte Gezeitenturbine geht vor Schottland in Betrieb | golem.de
Neuartiges Gezeiten-Kraftwerk mit Komponenten von SKF | aktiv
‚Most powerful‘ tidal turbine starts generating electricity off Orkney | BBC News
The world´s most powerful tidal turbine is now generating power | electrek
Bildquelle: © Orbital Marine Power

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Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

1 KOMMENTAR

  1. „Das Kraftwerk kann den jährlichen Strombedarf von 2.000 Haushalten abdecken“

    „Dort wo es sich lohnt, liefern solche Kraftwerke aber zuverlässig das ganze Jahr über Strom.“

    Wieso werden solche Märchen erzählt? Hofft man hier etwa darauf, dass die Mehrheit der Leser keine Ahnung davon hat, dass es beispielsweise auch einen Zeitraum zwischen den Wechseln der Wasserpegel und ansonsten Regelmäßig z.B. Nipptiden gibt?

    Welcher Haushalt soll sich denn von solchem Zufallsstrom versorgen lassen wollen? Etwa die selben, die sich angeblich freiwillig mit Windrädern oder Solaräckern versorgen lassen?

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