Ein Pilotversuch in den Niederlanden zeigt, dass Himbeeren unter Solarmodulen besonders gut wachsen. Das Projekt auf einem Obstbauernhof wurde letztes Jahr von BayWa r.e ins Leben gerufen und beweist, wie viel Potenzial in der Agrar-Photovoltaik steckt. Jetzt weitet BayWa r.e. das Projekt aus.

Unter den Solarmodulen entsteht ein pflanzenfreundliches Klima

Normalerweise züchten Obstbauern Himbeeren unter Folienschutztunneln. Im Pilotversuch auf dem Obsthof „Piet Albers“ in Babberich ersetzen semitransparente Solarmodule die Folien. Es zeigte sich, dass das Klima unter den Modulen stabiler war: Die Solarmodule erzeugten eine für die Pflanzen vorteilhafte, niedrigere Temperatur und schützten sie besser vor Witterungseinflüssen, teilte BayWa r.e. mit. Der Münchner Projektentwickler führte den Test gemeinsam mit seiner niederländischen Konzerntochter GroenLeven durch.

Vier neue Projekte sollen noch mehr Erkenntnisse liefern

Weil es so erfolgreich war, weitet BayWa r.e. das Projekt aus und erhöhte die Leistung der Solaranlage in Babberich auf 2,7 MWp. Dies beinhaltet die Installation von 10.250 Solarmodulen auf 3,2 Hektar Himbeeranbaufläche, wodurch die Anlage genug Solarstrom für 1.250 Haushalte im Jahr produziert. Zusätzlich startet der Münchner Konzern vier weitere Pilotversuche in den Niederlanden. Sie sollen zeigen, wie sich der Einsatz von Solarmodulen mit dem Anbau anderer Beerensorten erfolgreich kombinieren lässt. Dabei geht es um Johannisbeeren, Blaubeeren, Brombeeren sowie Erdbeeren. BayWa r.e. und GroenLeven arbeiten für das Monitoring mit der Universität Wageningen (WUR) zusammen.

Ganz einfach war die Umsetzung auf dem Obsthof allerdings nicht. Es gab eine Reihe von Herausforderungen, etwa die gleichmäßige Verteilung von Sonnenlicht für den gleichzeitigen Anbau von Himbeeren und der Erzeugung des Solarstroms. Dafür hat BayWa r.e. die semitransparenten Solarmodule selbst entwickelt, die genug Licht für die Pflanzen durchlassen und diese gleichzeitig vor direkter Sonne sowie vor Regen und Hagel schützen.

Nachhaltigerer Pflanzenschutz

Der Obstbauer Piet Albers zeigte sich angetan von dem Projekt. Die Solarmodule seien eine nachhaltigere Form, die Pflanzen zu schützen. „Die klassischen Folienschutztunnel aus Plastik müssen alle sechs Jahre entsorgt und regelmäßig überprüft und abgespannt werden, insbesondere bei starkem Wind wie dieses Jahr“, sagte der Bauer. „Hagel und extreme Hitze waren ebenfalls ein ständiges Risiko für die Folientunnel. Mit den Solarmodulen sind wir davon nicht mehr betroffen und gleichzeitig erzeugen wir grüne Energie.“

Dr. Benedikt Ortmann, Global Director of Solar Projects bei BayWa r.e., bestätigte die Vorteile. „Agrar-PV kann den Landwirten einen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert bieten: Keine Flächennutzungskonflikte, eine bessere Landschaftsintegration, sofern Foliensysteme ersetzt werden, weniger Abfall und geringere Arbeits- und Investitionskosten.“

Agrar-PV minimiert Nutzungskonflikte um Flächen

Trotz der vielen Vorteile ließen sich solche Projekte nicht in jedem Land umsetzen, so BayWa r.e. Dennoch sei es eine der zentralen Herausforderungen der Solarbranche, Nutzungskonflikte um Flächen zu minimieren. Flächenneutrale Projekte wie Agrar-PV zeigten daher ein großes Marktpotenzial für die nahe Zukunft, das BayWa r.e. erschließen wolle. Man entwickle mit Äpfel- und Birnenerzeugern weitere Pilotprojekte. Dabei gehe es auch darum, die Qualität der Früchte zu verbessern und Produktionskosten zu senken, teilte der Konzern mit.

Quellen / Weiterlesen

BayWa r.e. realisiert Agrar-PV-Projekte in den Niederlanden | BayWa r.e.
Rasberries can grow under solar panels! | Energy Live News
Agrar-PV-Projekt in den Niederlanden: Produziert Solarstrom und schützt Himbeer-Plantage vor Hagel, Starkregen und direkter Sonneneinstrahlung | ee news
Agro-Photovoltaik lässt US-Forschern zufolge Pflanzen besser wachsen | pv magazine
Bildquelle: © BayWa r.e.
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Bei Beerenzuch handelt es sich um mehrjährige Kulturen, die nicht maschinell bearbeitet werden.
    Bei geignter Konstruktion (z.B. Klappmechanismen) der Module oder von Maschinen lassen sich sicher auch die verschiedensten einjährigen Kulturen maschinell bearbeiten.

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