Muss bald jeder Neubau in Niedersachsen verpflichtend mit einem Solardach ausgestattet sein? Zumindest, wenn es nach den Grünen geht. Sie fordern eine Solarpflicht für Neubauten: „Solaranlagen auf Dächern bieten die Chance, Energie dort zu produzieren, wo sie gebraucht wird“, bringt es Imke Byl, energiepolitische Sprecherin der Partei, auf den Punkt.

Die Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag will, dass sich in Sachen Klimaschutz endlich etwas bewegt. Die rot-schwarze Landesregierung unternehme nichts, bemängeln die Grünen und bringen deshalb eine eigene „Solaroffensive“ ins Parlament ein. Alle geeigneten Neubauten, egal ob privat oder gewerblich, sollen demnach verpflichtend mit Solaranlagen ausgestattet werden müssen.

Wer keine eigene Solaranlage will, soll sein Dach verpachten

Wer bauen will, die Investitionen in ein Solardach aber nicht auf sich nehmen will, der soll seine Dachfläche beispielsweise an den Energieversorger vor Ort oder an eine Genossenschaft für Bürgerenergie verpachten. Diese können dann die Solaranlagen anbringen, so dass der Hausbesitzer trotzdem Strom vom eigenen Dach beziehen kann. „Kein Neubau soll mehr ohne Solardach entstehen“, fordert Imke Byl. Ausnahmen soll es aber zum Beispiel für Gebäude in Großstädten geben, die komplett im Schatten liegen, sagte die Grünen-Abgeordnete.

Ein Drittel des Stroms in Niedersachsen könnte aus Solarenergie stammen

Für eine solche Vorschrift wäre in Niedersachsen eine Änderung der Landesbauordnung nötig. Doch dafür ließe sich mit Solarstrom bis zu ein Drittel des Strombedarfs in Niedersachsen decken, rechnen die Grünen vor. Byl sagte, in Niedersachsen sei bereits 28.600 Hektar Dachfläche für Solarenergie geeignet, was 57 Gigawatt Leistung entspräche. Tatsächlich installiert waren in dem Bundesland Ende 2018 aber erst vier Gigawatt, in ganz Deutschland 45,9 Gigawatt. Zuletzt hatte Niedersachsen die Solarenergie allerdings kräftig ausgebaut, vor allem auf dem Land.

Die Bürger zu Stromproduzenten zu machen, könne den Energiemarkt revolutionieren, und nach etwa zehn Jahren brächten die Solaranlagen Gewinn, sagte Imke Byl. Die Vorschläge der Grünen gehen noch weiter: Abgesehen von Neubauten will man bis 2025 auch alle geeigneten landeseigenen Dachflächen für Solarthermie oder Solaranlagen nutzen. Zudem soll sich das Land Niedersachsen auf Bundesebene dafür einsetzen, die Steuer auf den PV-Eigenverbrauch und die Deckelung für die Solarförderung abzuschaffen.

Die FDP ist gegen die Pläne

Um ihre Ziele durchzusetzen, haben die Grünen einen Entschließungsantrag in den Landtag eingebracht. Dieser soll nun die niedersächsische Landesregierung auffordern, eine Solarstrategie aufzulegen. Kritik an den Plänen kam von der FDP: Von der Reglementierung der Menschen beim Hausbau halte man nichts.

Quellen / Weiterlesen

Bei allen Neubauten: Grüne wollen Solardach zur Pflicht machen | Hannoversche Allgemeine
Grüne starten Solaroffensive | Nordwest Zeitung
Grüne wollen Solaranlagen auf jedem neuen Dach | NDR
Bildquelle: Wikipedia – AleSpa [CC BY-SA 3.0]

Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

9 KOMMENTARE

  1. Nunja, nachdem die selbst ausgerufene „Energierevolution von Unten“ offenbar doch nur eine Blase war, die längst wieder geplatzt ist, machen die Grünen das, was sie am besten können: Mit Zwang bis in die privatesten Entscheidungen der Bürger hinein regieren. Dass die dafür vorgebrachten Argumente zumindest fragwürdig sind, da eine Stromversorgung per Solarenergie selbst im privaten Bereich nicht zuverlässig funktioniert und deshalb die vollständige konventionelle Stromversorgung (vom Kraftwerk bis zum Leitungsausbau) zusätzlich parallel vorgehalten werden muss, ist einem echten Grünen ja sowieso egal. Im Gegenteil: Die Beteiligung an den dafür anfallenden Kosten soll ausgerechnet für den Mitverursacher abgeschafft werden. Diese Strategie des konsequenten Ignorierens von Gegenargumenten hat ja bereits bei der Einführung des Dosen- und Einwegflaschen-Pfandes zu so durchschlagenden Erfolgen geführt, dass man dieses Konzept unbedingt auch auf alle andere Gebiete übertragen muss. Der Zuspruch vom meist genauso inkompetenten Wähler ist einem ja immerhin sicher. Populismus? Doch nicht bei Ökofaschisten!

  2. Sehr gute Sache!

    Ich verstehe eh nicht, warum heute überhaupt noch Neubauten erlaubt sind, die nicht Passiv- oder gar Aktivhaus-Standard einhalten.

    Aus Denkmalschutz und zum Touristenfang müssen Hausbesitzer in vielen Städten ja immens teure (pseudo-) Antikfassaden einbauen, ohne dass dahinter ein Nutzen für die Gesellschaft steht.

    Dass FDP und AfD dagegen sind, ist doch klar. Und beim anti-Umwelt-Faschisten Hentinger auch. Die langsam aussterbende Spezies der Klimaleugner (denen wird´s langsam zu heiß hier…) haben uns schon zu lange gegängelt.

  3. Na Alex1, haben Sie als alter Energiewende-Fan endlich Ihre Ölheizung rausgeworfen und auf solare Beheizung umgestellt?

    Oder fröhnen Sie noch immer Ihrem Hobby „Wasser predigen und Wein saufen“?

  4. Hentinger, alter Lügner und Güllewerfer, bist wieder in Deinem Element, gelle?

    Bösartige Klimatrolle sind halt so.

  5. Ach Alex1, ein einfaches „nein, ich heize selbstverständlich noch immer mit Öl“ hätte als Antwort vollkommen ausgereicht.

    Aber den alten Diesel Ihrer Gattin haben Sie wenigstens durch was umweltfreundliches – z.B. ein Fahrrad – ersetzt?

  6. Wie immer hast Du nicht mehr auf der Pfanne als Güllewürfe und Verleumdungen.

    Es hat keinen Zweck, mit Dir zu diskutieren. Du diffamierst nur, lügst und verdrehst. Haben wir schon Dutzende Male durchexerziert.

    Trollfutter ist immer noch alle.

  7. Richtig geahnt. Trollfutter ist alle.

    Auf Deine verlogenen bösartigen Unterstellungen gehe ich nicht mehr ein.

  8. Ganz ehrlich, als stille Mitleserin finde ich diesen Dialog nur unterirdisch.
    Meine eigene Meinung als Hausbesitzerin: Ich bin strikt dagegen, Hausbesitzer dazu zu zwingen, Energieversorger zu werden. Ich zahle mehr als genug Steuern. Energieversorgung ist Sache der Infrastruktur und gehört nicht in die Hände von Privatunternehmen. Solche Investitionen sind Sache des Staates.
    Wo sind denn eigentlich die großen Solaröfen? Wo ist Solar-Hightech?
    Bei uns auf dem Land haben alle Ölheizungen. Wenn man einen neuen Brenner einbaut, funktionieren die gut und energiesparend.
    Ich bin weiterhin strikt dagegen, Sondermüll in Form von Dämmplatten an Altbauten zu nageln. Die daraus resultierenden Schimmelprobleme will ich meinen Mietern und mir selbst nicht zumuten.

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