Nicht nur im Elektroauto gilt, im Winter besonders vorsichtig und vorausschauend zu fahren. Doch Fahrer von Elektroautos sollten außerdem diese Tipps beherzigen, um ihr Fahrzeug fit für den Winter zu machen und jederzeit sicher unterwegs zu sein.

Winterreifen und die Reichweite von Elektroautos

Winterreifen kommen aus der Mode, das zeigen aktuelle Verkaufszahlen. Offenbar setzen viele Autofahrer inzwischen auf Ganzjahresreifen, was sicher auch am milden Klima der letzten Jahre liegt. Wenn immer mehr Elektroautos verkauft werden, könnte die Nachfrage nach Winterreifen allerdings wieder steigen. Denn anders als bei Verbrennern beeinflusst der richtige Reifen entscheidend die Reichweite der Stromer.

Elektroautos benötigen andere Reifen als Verbrenner. Spezielle E-Auto-Reifen sind schmaler und größer als herkömmliche Reifen – im Fachjargon nennt man sie deshalb auch „Tall-and-Narrows“. Der Grund: Je größer der Durchmesser des Reifens, desto geringer sein Rollwiderstand und desto geringer der Energieverbrauch beim Fahren. Der Reifenhersteller Michelin gibt an, dass Elektroautos bis zu 6 Prozent an Reichweite gewinnen, wenn sie mit seinen „Energy E-V“-Reifen unterwegs sind.

Rollwiderstand vs. Traktion

Dennoch gibt es noch keine universellen Elektroauto-Winterreifen auf dem Markt. Lediglich für den BMW i3 gibt es das Modell „Blizzak LM500″ von Bridgestone. Es hat Gründe, warum sich die meisten Hersteller bisher zurückhalten: Es ist nicht so einfach, den optimalen E-Auto-Reifen für den Winter zu entwickeln. Denn ein geringerer Reifenwiderstand, der die Batterie schont, geht automatisch zu Lasten der Traktion, also der Haftung des Reifens auf der Straße. Je besser diese ist, desto sicherer die Fahrt. Gerade im Winter, wenn es glatt wird, ist eine hohe Traktion also wichtig.

In Norwegen verkauft der Hersteller Continental einen Winterreifen, der mit gummiummantelten Spikes bestückt ist. Das ist in Deutschland nicht erlaubt. Doch die Nachfrage nach speziellen und universellen Winterreifen für E-Autos steigt, weshalb nun der koreanische Reifenhersteller Hankook liefern will. Nächstes Jahr will Hankook Sommer- und Winterreifen für Elektroautos auf den europäischen Markt bringen.

Die Batterie in der kalten Jahreszeit schonen

Neben den Reifen müssen Elektroauto-Fahrer im Winter auch auf die Batterie ihres Fahrzeuges achten. Wenn es kalt ist, laufen die chemischen Reaktionen im Akku langsamer ab, und dadurch verliert dieser an Effizienz und Leistung. Die meisten neuen E-Autos haben ein integriertes Temperaturmanagement für den Akku, damit dieser im Winter konstant auf einer günstigen Temperatur bleibt. Ältere E-Autos mit Baujahr vor 2012 haben dies meist nicht. Wer ein älteres Elektroauto fährt, sollte dieses am besten in der Garage unterstellen, wo die Temperatur im Winter um einige Grad höher ist.

Vorheizen und sparsam heizen

Es hilft auch, den Akku und den Innenraum schon beim Aufladen vorzuheizen. Viele Elektroautos bieten diese Zusatzfunktion der „Vorkonditionierung“. Es kann die Reichweite im Winter um bis zu 20 Prozent steigern.

Ansonsten gilt, dass der Innenraum nicht unnötig geheizt werden sollte, denn auch das geht zu Lasten der Batterie und damit der Reichweite. Im Winter ganz ohne Heizung zu fahren, dürfte kaum eine Option sein, aber wenn der Strom zur Neige geht, hilft das Abschalten der Heizung vielleicht über die letzten Kilometer hinweg. Das gilt natürlich genauso für Radio, angeschlossene Smartphones oder Assistenzsysteme.

Energie sparen im Eco-Modus

elektroauto-winterAuch das Fahrverhalten spielt im Winter eine größere Rolle als im Sommer. Hat das Elektrofahrzeug einen Eco-Modus, sollte dieser genutzt werden. Dieser Modus erhöht das ganze Jahr über die Reichweite, weil er Geschwindigkeit und Motorleistung reduziert. Je geringer die Motorleistung, desto besser die Bodenhaftung des Fahrzeuges, was die Sicherheit gerade in der kalten Jahreszeit erhöht.

Quellen / Weiterlesen

Wie mache ich mein Elektroauto winterfest? | Ingenieur.de
Wie kommen E-Mobile durch den Winter? | Spiegel Online
Sicher und warm ohne Reichweitenangst | auto motor und sport
Bildquelle oben: flickrOregon Department of Transportation
Bildquelle mitte: Wikipedia – Santeri Viinamäki [CC BY-SA 4.0]

Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

14 KOMMENTARE

  1. Danke für die Tipps, aber das Meiste ist eigentlich eh‘ klar.
    Beim Thema Winterreifen halte ich die Aussage, man bräuchte für eAutos andere Winterreifen, für überzogen (auch die generelle Aussage „Elektroautos benötigen andere Reifen als Verbrenner“ ist in meinen Augen Quatsch). Wer sich einen guten Winterreifen raussucht, macht nichts verkehrt. Den Rollwiderstand wird kaum jemand messen und auch kaum jemand als maßgeblich für die winterlich reduzierte Reichweite identifizieren. OK, es gibt eAutos mit schmäleren Rädern (z.B. i3 oder mein C-Zero), es gibt aber auch welche mit völlig normalen Rad-Dimensionen (z.B. Zoe oder eUp!) Mögliches Problem bei der Winterreifenbestellung könnte sein, dass nicht alle Hersteller alle Dimensionen liefern. Ich hab‘ mir vor Jahren ein Winterrad-Komplett-Set des Herstellers gekauft und fahre gut damit.
    Die Tipps zum Energieverbrauch gehören auch eher der Kategorie „gesunder Menschenverstand“ an. Klar heizt man nicht wie bescheuert, wenn alles auf die Batterie geht. Mein C-Zero hat leider keine Gimmicks wie „Vorkonditionierung“. Wenn das Auto also mal eine kalte Nacht im Freien verbracht hat, schalte ich die Scheiben-Heizung auf volle Pulle, während ich gleichzeitig außen kratze. Meistens ist es dann innen schon nett warm, wenn ich mit dem Kratzen fertig bin. Nach dem Losfahren drehe ich die Heizung zurück und lenke den Luftstrahl auf den Oberkörper. Ein paar km vor Ende der Fahrt schalte ich die Heizung ab, lasse den Ventilator aber noch laufen, um die Restwärme zu nutzen. Und: Im Winter setze ich mich nicht im T-Shirt ins Auto.

  2. Zusammen mit einem e-Auto muss man auch eine Garage kaufen? Bis die e-Autos wie alle anderen Autos genützt werden können, werde ich mich von dieses Erfindung fernhalten. Dieses Stress ob ich an Ziel komme oder nicht braucht niemand! Alles klar.

  3. @Nostradamus: Ich weiß nicht, wo und wie viel Sie mit einem PKW fahren (müssen). Für manche Einsatzbereiche ist ein Batterieauto nicht geeignet, für viele andere schon! Wo stellen Sie denn jetzt ihr Auto nachts ab? Auch für „Laternenparker“ wird es irgendwann Lade-Lösungen geben. Man kann die eMobilität natürlich auch generell ablehnen. Viele tun das, ohne zu wissen, wovon sie reden. Machen Sie doch einfach mal eine kostenlose und völlig unverbindliche Probefahrt in einem eAuto!

  4. Die Größe der Reifen ist schon durch die Radkästen begrenzt, da lässt sich ja nichts machen.

    Schmale Reifen verringern auch nicht den Rollwiderstand, eher umgekehrt: Bei gleicher Auflagefläche hat ein breiterer Reifen weniger Walkarbeit zu leisten. Dafür ist der Luftwiderstand größer. Bei Regen und Schnee ist der breitere Reifen wieder schlechter vom Widerstand.

    Dass das Radio Größeres bei der Reichweite bewirken sollte, ist wohl eher ein Scherz. Ok, ein paar Meter sicher… 😆

    Und Assistenzsysteme abschalten wegen der Reichweite?!? Welche denn? ESP, Spurassistent? Im Ernst?

    Wirklich interessant wäre der Hinweis, dass die Reichweite prinzipiell im Winter um 20-30 % abnimmt. Auch ganz ohne Heizung und „unnötige“ Assistenzsysteme…

    Ein wertvoller Tip wäre auch gewesen, dass man mit einer Sitzheizung wesentlich weniger Strom für die Wohlfühltemperatur braucht. Es gibt sogar Lenkradheizungen gegen kalte Finger…

  5. Jedes Auto verliert im Winter an Reichweite, das ist physikalisch bedingt.
    FÜr E Autos mag das ein bißchen mehr gelten, trotzdem wird da viel übertrieben,
    das kann man schon daran erkennen das die Norweger mit ihren E AUtos große
    Strecken auch im Winter zurücklegen.
    Und meine Erfahrung ist ähnlich, natürlich kann man auch im Winter gut elektrisch unterwegs sein!
    Mein Auto sprang auch im Winter immer an!

  6. #Swen – Vor mehreren Monaten gab es eine Sendung am deutschen TV über e-Mobilität in Norwegen. In kurzen, gut situierten norwegischen Familien haben zwei Autos: ein elektrisches für Spaziergänge durch Stadt, wie Einkauf, Besuche, Kultur und Unterhaltung, und dazu einen Verbrenner für langen Reisen. Wie #Gerhard gesagt hat: „Für manche Einsatzbereiche ist ein Batterieauto nicht geeignet, für viele andere schon!“ Meine Stellungnahme diesbezüglich ist, dass in diese Entwicklungsphase e-Auto nur für Stadtverkehr sinnvoll ist, da er keine Abgase liefert. Dass er die „schmutzige Strom“ nutzt, ist ein anderes Problem, keinesfalls KO-Kriterium für seine Nutzung und Weiterentwicklung.

  7. Das mit dem „schmutzigen Strom“ ist in mehrfacher Hinsicht falsch:

    1) Selbst mit dem deutschen kohlelastigen Strommix fährt ein eAuto immer viel besser, was die CO2-Bilanz angeht. Die „2. Schweden-Studie“ hat das eindrucksvoll gezeigt.
    2) Der europäische Strommix, der eigentlich herangezogen werden müsste, ist schon viel besser als der Deutsche.
    3) eAuto- Fahrer nutzen beim Laden zu Hause (über 90 % der Ladungen) zu über 90 % echten Ökostrom.
    4) Auch die ganzen „offiziellen“ Ladesäulen werden überwiegend mit Ökostrom betrieben, oft allerdings nur „Zertifikatsstrom“…
    5) Das „Schmutzige“ am Verpester sind ja auch die Abgase, die bekanntlich pro Jahr um die 10.000 Menschen in Deutschland töten. Die sind beim Strom, selbst, wenn er aus Fossilkraftwerken kommt, wesentlich geringer pro gefahrenem km. Die Rauchgasreinigung von Kraftwerken ist um Größenordnungen besser als die mickrigen Anlagen in Pkws.
    6) Die wenigen restlichen Abgase werden auch noch durch Schornsteine weit weg von menschlichen Lungen in die Luft geblasen, während Verpester ihren Dreck unterhalb der Atemhöhe von Kindern rauslassen.

  8. „Nur für die Stadt“ stimmt auch schon lange nicht mehr. Bei Reichweiten von über 300 km muss man schon eine sehr, sehr große Stadt suchen…

    Meine aktuelle Zoé hat nach ca. 2,5 Jahren jetzt über 58.000 km drauf (Außendienstler).

  9. Etwas veralterte Meinung von Nostradamus
    Jedes Auto verbraucht im Winter mehr Energie Benzin Diesel Strom
    Die Fahrer von Verbrennern wollen es nur nicht wahrhaben.
    In Großstädten wie Berlin fahren viele besonders mit Ihrem DIESEL nicht mehr als 15 bis 20km zur Arbeit da wird kein Dieselmotor warm , das nagelnde Geräusch der Motoren nervt ab ca. 6:30 wenn die ersten mit Dieselabgaswolken wegen „eingeschaltetem “ Motorschutz unter ca 12 Grad losfahren.
    Das ist spätestens von Anfang November bis März so. Einige lassen vorher ihre Standheizung laufen und schaden damit der Umwelt.
    Man muss nicht das Auto aufheizen nur die Gebläse für Frontscheibe Ansonsten kann man ruhig mit Mütze und Mantel im Auto sitzen.
    Bei E Autos reicht meist die Sitzheizung, Scheibenheizung die man vor abfahrt mit Smartphone aktivieren kann. Bis Anfang der 60er hatten viele Autos noch keine Heizung heute sind meist nur „Weicheier “ unterwegs die ihre Wohnung auf 24 grad heizen .
    Heizung beim E Auto braucht ca.2- 3kw die Stunde bei Volllast.

  10. In diese Diskussion merkt man viel Optimismus und Begeisterung für e-Antrieb. Bedeutet dieses, dass jeder von euch ein e-Auto fährt? Oder? Seit 2015, wann wegen Dieselskandal das e-Auto plötzlich in Vordergrund gelandet ist, hat sich bei Lithiumionenbatterie nichts viel geändert: Der Kapazität ist ein bisschen größer, der Preis ein bisschen niedriger, das ist alles. Bei dieser Technologie die Sättigungskurve wird bald ihren Zenit erreichen. Wir brauchen etwas Besseres: kleineres, leichteres, billigeres, recyclebares, etc. Die Reichweite von 300-400 km würde optimal – wenn man keine Sorge haben muss ob es dann eine Ladesäule gibt, ob Stecker passen, ob keine lange Warteschlange gibt. Warteschlange? Ein Verbrenner braucht ca. 5 Minuten zum Tanken, ein e-Auto braucht (optimistischen) 30 Minuten. Um die gleiche Anzahl von Autos mit Energie zu versorgen, eine e-Tankstelle braucht sechsmal größere Fläche. Zurzeit „90% e-Fahrzeuge tanken Strom zu Hause“ – nach KBA Statistik gibt es in Deutschland 83.200 e-Fahrzeugen. Kann das für 57,3 Millionen zugelassenen Kfz. auch gelten, wenn die alle in einmal mit einem Zauberstab in e-Kfz. umgewandelt würden? Die Träume und Visionen sind für Fortschritt unverzichtbar, nur die Bodenständigkeit kann es aber verwirklichen.

  11. Ich fahre seit fast 6 Jahren eine Renault Zoé im Außendienst mit bisher 124.000 km.

    Die physikalischen Parameter der Li-Akkus haben sich schon erheblich verändert. Der erste Zoé-Akku hatte 22 kWh bei 300 kg Gewicht. Der Zweite hatte 41 kWh bei 325 kg Gewicht. Aktuell sind es 50 kWh, wieder bei praktisch gleichem Gewicht.

    Der Preis für Li-Akkus hat sich aber mehr als halbiert und wird noch weiter stark sinken. Ähnlich wie bei sonstiger Elektronik.

    Außerdem sind noch einige weitere Akkutypen in der Pipeline bzw. kurz vor dem Massenmarkt.

    Recycelbar sind die aktuellen Akkus natürlich, es fehlen nur die Mengen für eine lohnende Anlage. Li-Akkus gehen eben längst nicht so schnell kaputt wie Manche uns glauben machen wollen.

    Bei Deinen Bedenken zum Laden erkennt man, – Verzeihung – die alte Denke. Wie früher, als jemande „ausrechnete“, dass Berlin einen Meter tief in Pferdeäpfeln versinken würde, wenn der Verkehr weiter so zunehmen würde… 😀

    Im Ernst, eAutos werden zu über 90 % nicht an Schnellladern geladen werden, die Du skizzierst, sondern ganz gemütlich zu Hause. Und das bedeutet nicht nur Eigenheime, sondern auch Parkhäuser, Straßenlaternen etc. So, wie es heute schon in Skandinavien Standard ist. Und das geht dann mit Ladeleistungen von 10 kW oder auch nur 1 kW. Bekanntlich steht ein „Fahr“zeug 95 % seiner Zeit nur rum. Da reichen dann auch 1 kW zum Laden.

    Es gibt übrigens mehr als doppelt so viele eAutos, wenn man die Plug-In-Hybriden mitzählt. 30 km eReichweite sind zwar mickrig, reichen aber für die allermeisten Pendler.

    Dein Zauberstab verwandelt dann auch 57,3 Millionen Steckdosen in Steckdosen für eAutos.

    Eine Ladestation ist reinste primitivste eTechnik, bodenständiger geht es kaum

  12. Das ist aber kein Weg, der zu irgend einer Besserung führt, außer dem Staatssäckel von China.

    So werden wir das 2-Grad-Ziel nie erreichen, von 1,5 Grad ganz zu schweigen. Das sollte die chinesische Führung auch wissen. So richtet sie auch das eigene Land zugrunde.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here