Schlechte Nachrichten aus Aachen: Der Elektroautobauer e.Go Mobile hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Start-up hat jetzt vorerst die Möglichkeit, in Eigenverwaltung neue Investoren zu suchen. So will e.Go Mobile die Insolvenz abwenden. Aktuell steht die Produktion wegen der Corona-Krise still.

Drei Monate Frist für die Sanierung

Das Schutzschirmverfahren bewahrt Betriebe vor dem Zugriff der Gläubiger, während die Geschäftsführung das Unternehmen unter Aufsicht selbstständig saniert. e.Go Mobile hat den Antrag auf „Anordnung der Eigenverwaltung“ beim Amtsgericht Aachen gestellt und teilte mit, das Gericht habe dem Antrag bereits stattgegeben. Ein vorläufiger Sachverwalter wurde gestellt.

„Wir gehen in ein eigenverwaltetes Verfahren, das uns die Gelegenheit zur Restrukturierung und Neuordnung unserer Finanzen gibt“, sagte e.Go Mobile-Chef Günther Schuh. Das Unternehmen hat laut Insolvenzordnung maximal drei Monate Zeit, neue Geldgeber zu finden. Laut Handelsblatt braucht das Auto-Start-up einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Produktionsstopp in Aachen wegen Corona

„Wir gehen zuversichtlich in diese Phase und wollen in jedem Fall vermeiden, Mitarbeiter zu entlassen. Ich bin jetzt einfach mal optimistisch, trotz Corona“, sagte Schuh. e.Go Mobile ist wie viele andere Unternehmen von der Coronakrise betroffen, die Fabriken in Aachen sind aktuell geschlossen. Ein Teil der Angestellten befindet sich deshalb in Kurzarbeit. Wie es nach dem 20. April weitergeht, ist unklar.

Wie Günther Schuh andeutete, ist e.Go Mobile danach vermutlich auf finanzielle Hilfen von Bund oder Land angewiesen. Für sein Unternehmen greife kein staatliches Rettungsprogramm, auch die Hausbanken könnten keine Eigenanteile an der Finanzierung übernehmen. Die Corona-Krise erwischt das Unternehmen zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich sollte die Produktion nach einigen Verzögerungen jetzt endlich richtig anlaufen.

Das Start-up steckt schon länger in Schwierigkeiten

Das Start-up um Günther Schuh war vor fünf Jahren mit dem ehrgeizigen Ziel angetreten, in Eigenregie den ersten bezahlbaren Elektro-Kleinwagen auf den Markt zu bringen. Die Probleme fingen damit an, dass der Marktstart des e.Go Life, der eigentlich für 2018 geplant war, immer wieder verschoben werden musste. Grund dafür war der Dieselskandal, der bei Autozulieferern zu neuen Freigabekriterien führte und damit zur Verzögerung der Produktion.

Als Folge verkaufte e.Go Mobile im gesamten Jahr 2019 nur 540 Fahrzeuge, geplant waren ursprünglich 1.000. Das führte zu einem Verlust von 50 Millionen Euro bei 20 Millionen Euro Umsatz. Bereits im Oktober 2019 mussten Investoren deshalb weitere 100 Millionen Euro zuschießen und so die Insolvenz abwenden.

Der e.Go Life ist vor allem als Zweitwagen für die Stadt gedacht und soll Elektroautos endlich für die breite Masse erschwinglich machen. Weil die Gewinnspannen bei kleinen Herstellern gering sind, kann sich e.Go Mobile nicht an der deutschen Kaufprämie beteiligen. Im Januar musste der Hersteller deshalb bereits seine Preise erhöhen: Der e.Go Life 20 kostet jetzt 17.900 Euro, der e.Go Life 40 mit 23,5-kWh-Akku 20.600 Euro und der e.Go Life 60, 21.900 Euro.

Günther Schuh bleibt optimistisch

„Unsere überwiegend strategischen Investoren haben uns bis hierhin stark unterstützt und uns ermöglicht, als einziges Start-up in Europa einen E-PKW in Serie auf die Straße zu bringen“, sagte Schuh. „Jetzt haben sie verständlicherweise andere Prioritäten.“ Dennoch zeigt sich der Aachener Professor äußerst optimistisch. „Ich glaube, dass wir stärker denn je aus dieser Phase herauskommen und die Region das Herz der künftigen Mobilität sein wird“, sagte er der Aachener Zeitung.

Wir können uns dem nur anschließen und hoffen sehr, dass das Start-up neue Investoren findet und die Produktion in diesem Jahr noch richtig anlaufen kann.

Quellen / Weiterlesen

e.GO Mobile beantragt Schutzschirmverfahren | e.Go Mobile AG
Elektroautohersteller Ego beantragt Schutzschirmverfahren | Handelsblatt
e.Go Mobile beantragt Schutzschirmverfahren | golem.de
Elektroauto-Bauer e.Go beantragt Gläubigerschutz | Spiegel
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

2 KOMMENTARE

  1. Es war zu erwarten, dass der E-GO nicht überlebt, obwohl er ein pfiffig geplantes Stadt E-Auto ist. Aber das bessere ist der Feind des Guten, nämlich z.B. der e-up von VW mit größerer Reichweite und mehr platz. E-Go hat seine Marktchancen durch die 18-monatige verzögerung des Startes verpasst, ich sehe keine Investoren, die hier einsteigen werden, eigentlich schade…

  2. Wirklich schade um den Kleinen. Die pralle Kriegskasse des KdF-Werks ist halt nicht so schnell zu schlagen…

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