Nikola Motors will den Logistiksektor mit Wasserstoff-Trucks erobern und machte in der Vergangenheit schon viel von sich reden. Wegen der disruptiven Technologie wird Nikola öfter mit Tesla verglichen und legte bei seinem Börsengang direkt einen rasanten Kurssprung hin. Doch es gibt auch Kritik.

Das Flaggschiff von Nikola: Der Wasserstoff-LKW Nikola One

Nikola Motors und Tesla sind jeweils angetreten, um in ihrem Bereich eine Revolution anzustoßen. Tesla mit Elektroautos, Nikola mit Nutzfahrzeugen, wobei das Flaggschiff der Nikola One ist. Mit diesem LKW mit Brennstoffzellen-Antrieb will Nikola den Nutzfahrzeugmarkt genauso umkrempeln wie Tesla seinerzeit den Automobilmarkt.

Dabei stehen die beiden Hersteller auch in Konkurrenz, weil Nikola erstens wie Tesla auch reine Elektro-LKW herstellt und zweitens mit der Brennstoffzelle höhere Reichweiten realisieren will: Der Nikola One, angekündigt mit beeindruckenden Leistungsdaten, soll mit einer Ladung 1.200 Kilometer weit kommen, weiter als der batterieelektrische Tesla Semi. Nikola hatte in der Vergangenheit auch immer wieder kräftig gegen Tesla und den Semi ausgeteilt.

Anfang Juni ging Nikola an die Börse und kommt inzwischen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 23 Milliarden Dollar. Die Nikola-Aktie konnte ihren Wert vorübergehend sogar mehr als verdoppeln.

Täuschung bei der Vorstellung des Prototypen?

Doch egal wie viel Aufmerksamkeit Nikola momentan bekommt, es gibt einen großen Unterschied zu Tesla: Nikola hat noch kein einziges Fahrzeug auf der Straße. Das ist zwar an sich nicht ungewöhnlich, schließlich gibt es das Unternehmen erst seit 2015. Dennoch werfen Kritiker Nikola vor, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben, und zwar bei der Vorstellung des Nikola One im Jahr 2016. Der damals mit viel Pomp präsentierte Prototyp sei einsatzbereit und voll funktionstüchtig, hatte Nikola damals gesagt.

Bloomberg hat nun über Insider erfahren, dass der Truck auf der Bühne alles andere als einsatzbereit war. Ihm hätten wichtige Komponenten gefehlt. Das räumte Nikola-Chef Milton nun selbst ein: Aus Sicherheitsgründen seien wichtige Teile aus dem Truck entfernt worden, er habe nicht aus eigener Kraft fahren können. Daraufhin verloren die Aktien des Unternehmens kurzzeitig wieder an Wert. Ob man hier von Täuschung reden kann, ist strittig, aber das verlorene Vertrauen muss Nikola erst wiedergewinnen.

Tesla oder Nikola: Welche Unterschiede gibt es?

Wer überlegt, Aktien von Tesla oder Nikola zu kaufen, sollte die Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen im Kopf haben. Tesla erzielt im Gegensatz zu Nikola bereits Umsätze und hat diverse Modelle auf der Straße, das Geschäftsmodell ist also validiert. Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist, dass Teslas Investitionsbedarf sehr viel höher ist als der von Nikola. Das liegt daran, dass Tesla möglichst viel selbst machen will. Der Autobauer setzt auf vertikale Integration, stellt beispielsweise seine Bordcomputer selbst her, will künftig eigene Batteriezellen produzieren und betreibt ein eigenes Ladenetzwerk. Nikola dagegen konzentriert sich auf die Entwicklung der Technologie. Produktion, Vertrieb oder das Wasserstoff-Tanknetzwerk lagert das Unternehmen aus, was natürlich den Investitionsbedarf im Vergleich zu Tesla niedrig hält.

Was wirklich dran ist an den Versprechen von Nikola, kann momentan niemand sagen. Sicher ist, dass das Start-up mit Wasserstoff auf eine Zukunftstechnologie setzt. Das erste Fahrzeug von Nikola wird allerdings der Nikola Tre, ein Elektro-LKW ohne Brennstoffzelle. Er kommt nächstes Jahr auf den Markt. Der Wasserstoff-LKW Nikola One wird frühestens 2023 verkauft.

Quellen / Weiterlesen

Über 100 % Kursanstieg! Könnte eine Nikola-Aktie bald die nächste Tesla-Aktie sein? | The Motley Fool
Nikola-Aktie oder Tesla-Aktie kaufen? Diese Unterschiede musst du kennen! | onvista
Start-up macht Tesla Konkurrenz – bereits mehr wert als Fiat | Focus Online
Alles nur Schwindel? Wasserstoff-LKW von Tesla-Gegner Nikola unter Beschuss | EFahrer
Das neue Tesla der Lkw-Branche? | tagesschau.de
Bilderquelle: © Nikola Corp.
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

6 KOMMENTARE

  1. Ich bin Ausbilder im Bereich Wasserstoff, Brennstoffzellen und Hochvolttechnologie. Ende letzten Jahres war ich 3 Wochen bei NIKOLA in Phoenix(AZ) und hatte einen sehr guten Eindruck von der Firma und den vorhandenen Technologien und – was ja auch wichtig ist – von den Angestellten, die das Know-How in der Firma tragen. Klar kann man sich vorstellen, daß wegen Sicherheitsbedenken zu einem bestimmten Ereignis (Bühnenpräsentation) ein Produkt nicht komplett „produktionsfähig“ ist. Trotzdem kann ich nochmals bestätigen, daß NIKOLA über ein sehr fundiertes Know-How und auch über die Ausstattung verfügt, die Versprechen zu halten, welche sie gegeben haben. Falls sich Termine mal etwas nach hinten verschieben, dann ist das kein Grund, an der Fähigkeit der Firma oder gar der Sinnhaftigkeit der Technologie zu zweifeln. Ich habe auch einen Tankprozess mit dem NEL Tankstellensystem miterlebt und alles hat wunderbar funktioniert. Es ist eben eine (relativ) neue Technologie und da darf auch mal etwas leicht verzögert auf den Markt kommen. Ich würde mir da mal keine Sorgen machen, denn NIKOLA ist finanziell sehr gut aufgestellt und die Pläne für die Zukunft (Wasserstoff statt Batterie für Langstrecken-LKW) macht sehr viel mehr Sinn, als die Strategie von TESLA (für LKW!).

  2. Naja, sooo neu ist die H2-Technologie ja nun auch nicht.

    Entlarvend ist doch, dass die angeblichen H2-Pioniere erst einmal mit einem BEV punkten wollen. Ihnen wird auch aufgefallen sein, dass ihr H2-Truck die dreifache Menge an Fahrstrom braucht. Möchte mal wissen, wie die das ausgleichen wollen.

    Außerdem: H2-Tankstellen in den USA? Sehe ich als noch gefährlicher an als bei uns, wo von den wenigen real Existeirenden die Eine oder Andere schon in die Luft geflogen ist.

    Strom gibt es einfach überall, und die Entwicklung der Akkus lässt erahnen, dass von dem einzigen Vorteil des H2, dem angeblich schnelleren Tanken (wenn man der Erste ist…) nicht mehr viel übrig ist.

    1.200 km am Stück fährt doch sowieso niemand, also was soll der Geiz?

    Wenn dann noch Oberleitungen kommen oder/und Stromschienen und der Trucker bei jedem Kunden während des Ab- und Aufladens noch ein paar kWh zapfen kann, ist H2 völlig erledigt.

    Die Stärken von H2 liegen in der Eisenindustrie als Ersatz von Kohle.

    Und bis wir den ersten wirklich „grünen“ H2 haben, vergehen sicher noch zwei Dekaden. Dann erst werden wir nämlich Regenerativstrom wirklich im Überschuss haben.

    Selbst wenn wir irgendwann 80 % des Stroms regenerativ herstellen, wächst erst der Markt für Wärmepumpen. Und wenn der dann abgedeckt ist, DANN haben wir vielleicht echte Überschüsse in namhaften Mengen.

  3. @Christian Machens: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Der gibt uns gute Hintergrund-Infos. Ohne auf Details eingehen zu wollen, die Hauptsache ist doch: Es tut sich was!

  4. Mir fällt auf, dass auf Energyload stets tendenziell negativ über Wasserstofftechnologie berichtet wird. Sehr schade.

  5. @Christian Machens: Sie klingen mir eher wie ein Auftragsschreiber/Bot, der unter jeden Nikola Presseartikel ein wohlwollenden Kommentar/Unterstütungstext setzt, damit es vertrauenserweckender wirkt.

  6. @Anne-Marie Bekkaye: Wenn schon die nackten Fakten auf Dich negativ wirken, kann man nichts machen. Gerade dieser Artikel hatte nun gar nichts Negatives über H2 außer der Tatsache, dass auch Nicolas H2-Trucks immer weiter nach hinten verschoben werden.

    Bei Pkws ist der H2-Zug längst abgefahren, bei Bussen und Lkw tut sich auch nichts mehr, sogar Baumaschinen, Schiffe und Flugzeuge kommen praktisch nur als BEV an den Start.

    H2 ist durch die dreifache Strommenge pro km einfach nicht realistisch.

    In der Stahlindustrie oder auf dem Wärmemarkt könnte das ganz anders aussehen.

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