Nikola Motors und Iveco machen ab sofort gemeinsame Sache: 2021 kommt der Elektro-LKW Nikola Tre auf Basis des Iveco S-Way heraus. Der LKW wird mit Brennstoffzelle sowie batterieelektrisch angeboten und über das Netzwerk von Iveco vermarktet.

Vor einigen Wochen stieg CNH Industrial mit einer Viertelmillion Dollar bei Nikola ein. CNH ist die Konzernmutter der Marken Case, Iveco, Magirus und New Holland. Nikola und CNH wollen zusammen emissionsfreie Schwerlast-LKW für Europa und Nordamerika bauen.

Der Nikola Tre mit Batterieantrieb kommt 2021

Der Nikola Tre auf Basis des Iveco ist das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Nikola baut seine eigene Antriebstechnik, Steuerung und ein eigenes Infotainment-System in die Iveco-Basis ein. Einen ersten Prototyp haben die Partner kürzlich in Turin vorgestellt, und das Serienfahrzeug soll im September 2020 auf der Nutzfahrzeug-IAA präsentiert werden.

Vor dem Brennstoffzellenantrieb bringt Nikola den Tre 2021 zunächst mit batterieelektrischem Antrieb heraus. Er wird mit einem modularen Batteriesystem angeboten und verspricht Batteriegrößen bis zu 720 kWh. Die Reichweite des Elektro-LKW soll dann bis zu 400 Kilometer betragen. Eine so riesige Batterie aufzuladen, dauert allerdings seine Zeit: Selbst am schnellen 350 kW-Lader vergehen gut zwei Stunden, bis der Akku vollgeladen ist. Der Nikola Tre mit Batterieantrieb wird als Sattelzug sowie als Motorwagen mit zwei bzw. drei Achsen zu haben sein. Sein zulässiges Gesamtgewicht liegt bei 18 oder 26 Tonnen.

Brennstoffzelle ab 2023

Der Nikola Tre mit Brennstoffzelle folgt dann 2023. Er soll Wasserstoff mit 700 Bar Druck speichern und tanken können. Die Tanks fassen zwischen 40 und 80 Liter, so dass in einer Viertelstunde wieder Wasserstoff für 800 Kilometer getankt werden kann. Damit das überhaupt geht, will Nikola ein eigenes Netz an Wasserstofftankstellen aufbauen. Das ist leichter gesagt als getan, denn diese sind teuer und verbrauchen jeden Tag 75.000 Liter Wasser und 18 Megawatt Energie. Um den Aufwand zu minimieren, will Nikola die Stationen mit Solaranlagen und Windrädern kombinieren, die Strom für die Wasserstoff-Herstellung vor Ort liefern.

Beide Antriebsvarianten arbeiten mit je zwei E-Motoren mit 480 kW und maximal 1.800 Nm Drehmoment. Später sollen die LKW außerdem eine Achse bekommen, deren E-Motoren je ein Rad antreiben. Dadurch lässt sich das Drehmoment aktiv an die einzelnen Räder verteilen.

Auch innen hat der Nikola Tre die neuste Technologie an Bord und wird volldigital über einen Touchscreen gesteuert. Das Navigationssystem kalkuliert Lade- oder Tankpausen automatisch in die Routenberechnung ein. Außerdem sollen die Elektro-LKW schon zum Verkaufsstart über Systeme verfügen, die teil- oder vollautonomes Fahren ermöglichen. Es wird Over-the-Air-Updates für die Software geben und intelligente Sensoren sollen vorhersagen können, welche Teile demnächst zum Service müssen.

Nikola plant Leasing-Angebot

Auch ein Leasing-Konzept wird es geben, zumindest in den USA. Es deckt mit einer Rate alle Kosten für Miete, Service und den Wasserstoff ab und läuft über 7 Jahre und 700.000 Kilometer. Ob es ein solches Leasing-Angebot auch in Europa gibt, steht noch nicht fest.

Den Service übernimmt Iveco

Mit der Vermarktung über das Iveco-Netz will Nikola seinen Kunden die Angst vor der neuen Technik nehmen. Die Iveco-Stützpunkte übernehmen auch den Service für die Elektro-Fahrzeuge. Iveco profitiert übrigens auch von der Zusammenarbeit: In Europa werden die emissionsfreien Nikola-Fahrzeuge in den CO2-Ausstoß von Ivecos Flotte einberechnet. Damit kann Iveco hohe Strafzahlungen vermeiden, die sonst ab 2025 anfallen, wenn Anbieter mit ihrer Flotte im Durchschnitt bestimmte CO2-Grenzwerte überschreiten.

Quellen / Weiterlesen

IVECO, FPT Industrial and Nikola Corporation unveil the Nikola TRE | Nikola Corp.
Nikola Tre auf Iveco-Basis – Elektro-Lkw kommt 2021 | eurotransport
Elektro-Lkw kommt 2021 in Europa auf den Markt | auto motor und sport
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Bilderquelle: © Nikola Corp.
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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