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Smart City

Die Idee der „Smart City“ entstand aus den Herausforderungen der postindustriellen Gesellschaft um die Jahrhundertwende als Reaktion auf Themen wie Ressourcenknappheit, Finanzkrise, Bevölkerungswachstum, demographischer Wandel und Umweltverschmutzung. Während der Begriff keiner eindeutigen Definition unterliegt, wird er in der Regel verwendet, um technologische Veränderungskonzepte in Städten zu benennen. Kern der Smart City ist die komplexe Vernetzung unterschiedlichster Bereiche und Beziehungen. Es soll eine permanente Interaktion zwischen der Stadt und ihren Bewohnern stattfinden.

Dimensionen und Umsetzungsbereiche

Im Zuge der Entwicklungen im Bereich der Smart City-Forschung haben sich mittlerweile Begriffe herausgebildet wie Smart Living, Smart Environment, Smart Mobility, Smart People, Smart Economy oder Smart Governance. Wie weitgreifend die Dimensionen des Konzeptes tatsächlich sind, lässt sich am besten anhand der individuellen Betrachtung einiger Beispiele in einzelnen Teilbereichen aufzeigen:

Information und Kommunikation

Vernetzung ist ein Kernthema der Smart City und Basis für eine sinnvolle Umsetzung der Idee. Sämtliche Geräte, Systeme und Nutzer sollen miteinander verbunden werden. Die Kommunikation soll nicht mehr nur Telefon und Internet, sondern ebenso neue Sensor- und Informationsnetze umfassen und neben Smartphones und Notebooks auch Fahrzeuge, Gebäude, Straßen und Haushaltsgeräte einbeziehen.

Um das mobile Internet besser nutzen zu können, wird an neuartigen Breitbandnetzen geforscht und die optimale Verknüpfung bereits bestehender Kommunikationsnetze angestrebt. Mit Hilfe von Apps sollen Daten aus der städtischen Verwaltung für alle frei zugänglich gemacht werden, um eine Erleichterung im Alltag zu ermöglichen. Durch die „Open-Data-Bewegung“ sollen kommunale Daten öffentlich über eine Data Cloud abrufbar gemacht werden. Informationsfreiheit, Transparenz und Mitbestimmung sollen bei den neuen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten im Fokus stehen. Kritiker sehen an dieser Stelle allerdings die Übertragungssicherheit und den Schutz von Daten in Gefahr.

Mobilität

Um Fortbewegung und Transport in der Stadt zu optimieren, sollen Verkehrsteilnehmer besser vernetzt, der Verkehr intelligenter geplant und der öffentliche Nahverkehr gefördert werden. Verkehrsflüsse sollen eigenständig aufrechterhalten und auf Probleme flexibel reagiert werden. Ein weiterer Fokus soll auf Diskriminierungsfreiheit und individuelle Nutzbarkeit gelegt werden. Dies kann beispielsweise durch die Bereitstellung und Aktualisierung von Daten für eine barrierefreie Fortbewegung erreicht werden. Durch Apps zur Übermittlung von Verkehrsinformationen in Echtzeit oder der Nutzung von spontanen Mitfahrgelegenheiten für Kurzstrecken soll der Verkehr beruhigt werden.

Energie

Über „intelligente Energieinformationsnetze“ sollen in Zukunft nicht nur Energie, sondern gleichzeitig auch Daten über Verbrauch und Verfügbarkeit transportiert werden. Mit Hilfe von Smart Metern (intelligente Stromzähler) kann der Stromverbrauch in Echtzeit gemessen und flexibel gestaltet werden. Die Stromnetze werden ausgebaut, Gebäude gedämmt und energiesparende Bauweisen gefördert. Private Haushalte sollen zunehmend selbst Strom produzieren, welcher in das intelligente, europaweit vernetzte Stromnetz eingespeist wird.

Öffentliche Sicherheit

In Smart Cities bekommt der Sicherheitsbegriff eine zweite Dimension. Natürlich soll auch die unmittelbare Sicherheit der Stadt und ihrer Bewohner gewahrt werden. Es geht im Zuge der neuen Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen aber auch um deren Sicherheit bzw. der Sicherung ihrer problemlosen Funktion. Komplexe Technologien bedeuten auch eine erhöhte Anfälligkeit, was unmittelbare Auswirkungen mit weitreichenden Konsequenzen haben kann. In Krisenfällen soll der Fokus auf den Schnittstellen und Kontrollinstanzen der Kommunikationsinfrastruktur liegen, damit die entscheidenden Informationen ihr Ziel möglichst schnell erreichen. Diese Komponenten sollen daher kontinuierlich kontrolliert werden und Fehler selbst beheben können. Sensornetze sollen in Ausnahmesituationen die Lage räumlich erfassen und effektivere Hilfemaßnahmen ermöglichen.

Auch im Alltag sollen die Sicherheit des elektronischen Datenverkehrs und der Datenschutz an Bedeutung gewinnen. Durch komplexe Systeme des Identitätsmanagements sollen Stadtbewohner Verwaltungsdienste in Anspruch nehmen können, ohne Sicherheitseinbußen befürchten zu müssen.

Wirtschaft

Durch den kontinuierlichen Erweb sowie die Entwicklung und Weitergabe von Humankapital, also individuellen Wissens, soll die Produktivität von Arbeitskräften gesteigert werden. Verschiedenste Akteure sollen auf möglichst vielen Ebenen vernetzt werden und so voneinander profitieren. Der Gedanke steht in Verbindung zu Konzepten wie dem der Wissensgesellschaft oder der Creative Class und soll die Entwicklung zukunftsträchtiger Ideen vorantreiben.

Verwaltung

Eine intelligente Stadtpolitik soll eine bürgernahe politische Entscheidungsfindung ermöglichen. Die Stadtbewohner sollen in Entwicklungsprozesse eingebunden und Maßnahmen, Planungs- und Entscheidungsprozesse so transparenter gestaltet werden. Mit Hilfe des Open Data Prinzip und des Open Government soll dies ermöglicht werden. Im Zuge der Forschung an einer digitalen Umsetzung von Demokratie hat sich der Begriff der E-Democracy gebildet.

Zivilgesellschaft

Die idealen Bewohner der Smart City sind „Smart People“, die sich durch politisches Denken und Eigeninitiative auszeichnen und aktiv am Leben in der Stadt partizipieren. Durch eine große Koalitionsbereitschaft und die Beteiligung verschiedenster Akteure soll eine Entwicklung aus der Bevölkerung heraus stattfinden.

In der Praxis wird dies etwa in der sogenannten „Sharing-Kultur“ umgesetzt. Bei dieser geht es um die gemeinsame Benutzung von Geräten und Infrastruktur, um so wirtschaftlich und ökologisch effizienter zu leben. Generell soll das Konzept von Privateigentum stärker in Frage gestellt und Räume und Ressourcen als „Urban Commons“ betrachtet werden.

Nachhaltigkeit

In der Smart City sollen Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden ohne die Bedürfnisse späterer Generationen zu gefährden. Die Stadt soll auf sozio-kultureller Ebene möglichst heterogen durchmischt sein, erneuerbare Ressourcen sollen nachhaltig und nicht-erneuerbare Ressourcen minimal genutzt werden, eine regionale Kreislaufwirtschaft gefördert, die Transportintensität minimiert und eine nachhaltige Wirtschaftsweise im Fokus liegen. Die praktische Umsetzung kann z.B. einen regionalen Warenzyklus bedeuten sowie die Förderung von Solarthermie, Photovoltaik oder Erdwärme. Eine Problematik besteht in der sozio-kulturellen Dimension von Nachhaltigkeit und des Risikos von Exklusion der Bewohner, die bei der Planung nicht mitgedacht werden.

Kritik und mögliche Gefahren

Generell wird das Smart-City-Konzept nicht als etwas durchweg Positives betrachtet. Der starke Einsatz von Sensoren und Kameras birgt die Gefahr der ständigen Überwachung. Der tatsächliche Nutzen für die Gesellschaft wird hinterfragt. Der immense Einsatz neuer Technologien könne die Bevölkerung abhängig und passiv machen, statt sie zu mehr aktiver Partizipation zu animieren.

Weiterhin wird vor der Smart City als abstrakte Marketing-Plattform und des erhöhten Potentials der Monopolbildung und des Konsumdrucks auf Grund verstärkter Normierungsvorgänge und der vermehrten Notwendigkeit technischer Geräte gewarnt. Ein weiterer Kritikpunkt ist der ausschließliche Fokus auf das städtische Leben, da der ländliche Raum vollständig unbeachtet und seine Bewohner somit benachteiligt werden.