In Bayern ist das erste sogenannte Schachtkraftwerk ans Netz gegangen. Das Besondere an diesem neuartigen Wasserkraftwerk ist, dass es anders als konventionelle Wasserkraftwerke weniger in die Natur eingreift. Insbesondere Fische profitieren von dem Kraftwerk im Fluss Loisach, das von der Technischen Universität München (TUM) entwickelt wurde.

Die ökologischen Hürden für neue Wasserkraftwerke sind hoch

Bei dem neuen Schachtkraftwerk befindet sich die Turbine in einem Schacht im Flussbett. Normalerweise wird das Wasser bei Flusskraftwerken durch ein Maschinenhaus umgeleitet, um die Turbine anzutreiben. Doch die entstehende Strömung treibt Fische zum Kraftwerk, die an Turbine oder Gittern zu Tode kommen können. Weil natürliche Lebensräume, Fischwanderwege und Uferlandschaften geschädigt werden, können herkömmliche Wasserkraftwerke die ökologischen Vorgaben für neue Anlagen in Deutschland kaum noch erfüllen.

Das Schachtkraftwerk ist deutlich naturschonender, weil der Flusslauf hier nicht extra umgeleitet wird. Das Team am Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TUM hatte die Idee, vor einem Wehr einen Schacht ins Flussbett zu bauen und Turbine und Generator dort unterzubringen. Das Wasser fließt in diesen Schacht, treibt die Turbine an und läuft zurück ins Flussbett. Das Ganze ist so konstruiert, dass kaum Sog entsteht und die meisten Fische sicher über den Schacht schwimmen. Sie können auch durch zwei Öffnungen im Wehr weiter flussabwärts schwimmen. Für den umgekehrten Weg gibt es eine Fischtreppe.

Positiv für die Gewässerökologie

Dank der einfachen Bauweise lässt sich so auch in mehreren Schächten nebeneinander Strom erzeugen. Und dieser Kraftwerkstyp hat noch einen Vorteil: Er lässt auch Geröll und Treibholz durch. Die Bewegung und Ablagerung ist unter anderem für Laichplätze wichtig und deshalb ein Beitrag zur Gewässerökologie.

„Wenn wir sowohl das Klima als auch die Natur schützen wollen, müssen wir Technologien entwickeln, mit denen wir beide Ziele so gut wie möglich in Einklang bringen“, sagt Projektleiter Prof. Peter Rutschmann. Allerdings könne es eine hundertprozentige Erhaltung des Naturzustands mit keinem Wasserkraftwerk geben, sagte er. So könne es etwa sein, dass sehr kleine Fische in das Schachtkraftwerk gesogen werden. Der Großteil passiere das Kraftwerk aber unverletzt.

Fischwanderwege in der Loisach verbessert

Das Schachtkraftwerk bei Großweil im Landkreis Garmisch-Partenkirchen befindet sich in einem Natura-2000-Gebiet. Natura 2000 ist ein Netz von Naturschutzgebieten innerhalb der EU. In der Loisach hat das Kraftwerk die Fischwanderwege sogar verbessert: Es wurde an einer bereits vorhandenen Rampe errichtet, die Fische vorher nur schwer überwinden konnten. Der Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der TUM wird im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt das Verhalten der Fische an der Anlage untersuchen.

Weitere Schachtkraftwerke geplant

Die Anlage in der Loisach erzeugt Strom für 800 Haushalte. Solche Schachtkraftwerke eignen sich für unterschiedliche Fallhöhen und Flussgrößen. Weitere Anlagen sind schon geplant: Die Hydroshaft GmbH, eine Ausgründung der TUM, hat die Nutzungsrechte an dem patentierten Konzept erworben und vergibt Lizenzen an Kraftwerksbetreiber. Lizenzen für 12 Anlagen in der Iller, der Saalach, der Würm und im Neckar sind schon vergeben.

Quellen / Weiterlesen

Wasserkraftkonzept Schachtkraftwerk | Technische Universität München
Schachtwasserkraftwerk: Energie und Fischschutz | vwi
Weltweit erstes Schachtwasserkraftwerk geht ans Netz | energate messenger
Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

4 KOMMENTARE

  1. Potztausend!

    Ich hätte nicht mehr gedacht, dass man bei Wasserkraft noch was drehen kann. Schappo!

    Wo liegt das Teil denn genau? Sehen will!

  2. Unter Wasser, da siehst du nicht viel 😉

    Steht in Bayern, kann man schnell online finden. Ist ein Projekt der LMU.

  3. Sehr interessant aber auch aufwändig zu bauen.
    Warum werden keine schwimmenden Wassermühlen auf Pontons in den großen Flüssen gebaut?
    bzw am Ufer verankert?
    Vor 2000 Jahren hatten die Römer im Po und anderen Flüssen schwimmende KORN-Mühlen !
    Mit moderner Technik ließe sich überall Strom erzeugen! Schiffsverkehr und Umwelt würde nicht gestört durch aufwendige Bauvorhaben,
    Viele Wasserkraftwerke besonders an Talsperren leiden durch den Schwemmsand etc der sich hinter den Wehren Staumauern etc. sammelt. Weltweit müssen Kraftwerke in USA Alpen aus den 20 bis 50 er Jahren
    aufgegeben werden weil riesige Mengen Sand Geröll hinter den Talsperren / Wehren den Zufluss zu den Turbinen behindern.
    bisher wurden alle neuen Erfindungen von den 3 großen Stromkonzernen in Deutschland be- oder verhindert!

  4. @Peter Wulf:

    Warum keine schwimmenden Wassermühlen?
    Weil sich aus diesen nur minimal Strom erzeugen lässt. Ein Wasserkraftwerk holt die Energie zur Stromerzeugung aus der Fallhöhe des Wassers, welche durch einen Aufstau erreicht wird. Daher gibt es auch die größten Kraftwerke dort, wo die natürlichen Bedingungen große Höhenunterschiede liefern -> im Süden Deutschlands bzw. in der Alpenregion, stattdessen finden sie im flachen Norden fast keine Wasserkraftwerke. Aus der reinen Strömung des Wassers in Fließrichtung lässt sich nur sehr wenig Energie ziehen, da diese halt nur sehr wenig Energie besitzt. Mit „moderner Technik“ lässt sich also NICHT überall Wasserkraftstrom erzeugen. Da liegen Sie falsch. Das Potential für große Wasserkraft ist in Deutschland ausgeschöpft. Alles was wirtschaftlich und genehmigungstechnisch möglich ist, wurde bereits erschlossen.

    „Schwemmsand“ hinter Talsperren/Wehren?
    Können Sie mir bitte eines Ihrer Beispiele nennen, wo ein Kraftwerk aufgegeben wurde, weil Sand und Geröll den Turbineneinlauf behindert haben soll? Sorry, aber ich denke das ist Mumpitz. Jegliches Geschiebe, Sand oder Geröll lässt sich leicht wieder entfernen, sodass die Turbine frei angeströmt werden kann. Deswegen gibt man keinen Standort auf. Das hat wenn dann behördliche/ökologische Gründe, sprich der Betreiber wurde gezwungen den Standort aufzugeben.

    Erfindungen wurden von den 3 großen Stromkonzernen verhindert?
    Können Sie mir bitte nennen, wer diese drei großen Konzerne genau sein sollen? Und nennen Sie mir bitte nur eine tolle Erfindung zur Stromerzeugung, die von ihnen verhindert wurde! Etwa Solar-PV-Module? Oder Windkraftanlagen? Batterien? Brennstoffzellen? Gasturbinen?

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