Vor einigen Jahren kamen Wissenschaftler an der Leuphana Universität Lüneburg auf die Idee, Schiffshebewerke und Schleusen als Pumpspeicherwerke zur Speicherung von überschüssigem Wind- oder Solarstrom zu nutzen. Konkret ging es um das Hebewerk Lüneburg, ein Art Fahrstuhl für Schiffe im Elbe-Seitenkanal. Die Untersuchungen zeigen, dass die Idee grundsätzlich umsetzbar ist.

Die Kernelemente eines Pumpspeicherkraftwerkes sind bereits vorhanden

Die Grundlagen für ein Pumpspeicherkraftwerk sind bei Schiffshebewerken bereits vorhanden. Der höhergelegene Kanal dient als Speicherbecken. Der Höhenunterschied beträgt im konkreten Fall 38 Meter. Mithilfe von überschüssigem Ökostrom würde Wasser auf das höhere Niveau gepumpt, bei Bedarf wieder zurückfließen und dabei über Turbinen Generatoren antreiben, die wieder Strom produzieren. Doch obwohl man hier bereits vorhandene Infrastruktur nutzen kann, wären größere Umbauten nötig.

Investitionen von bis zu zehn Millionen Euro nötig

Im Fall des Hebewerks Lüneburg würde die Umrüstung bis zu zehn Millionen Euro kosten, da neue Leitungen gelegt und Turbinen eingebaut werden müssten. Die Forscher haben allerdings errechnet, dass sich diese Investitionen bei einer Vermarktung des Stroms am Regelenergiemarkt nach rund zehn Jahren rechnen. Inwieweit sich diese Rechnung auf andere Schleusen und Hebewerke übertragen lässt, ist nicht klar und muss im Einzelfall geprüft werden. Technisch und rechtlich ist ein Umbau aber in den meisten Fällen möglich. In ganz Deutschland kommen den Angaben nach um die 40 Schleusen und Hebewerke für eine solche Nutzung in Frage.

Ein kleiner Baustein für die Energiewende

Für das Hebewerk Lüneburg errechneten die Wissenschaftler ein Speicherpotential von 15.000 Kilowattstunden Strom. Dafür müsste der Pegel des oberen Kanals um 20 Zentimeter angehoben werden. Diese Menge an Strom könnte etwa 1.000 Durchschnittshaushalte einen Tag lang versorgen. Was eine Anhebung des Wasserpegels für die Schifffahrt bedeutet, müssten allerdings weitere Untersuchungen klären. Auch wenn das Speicherpotential insgesamt nicht besonders groß ist, könnte der Ansatz ein weiterer Baustein für die Energiewende sein. Konventionelle Pumpspeicherkraftwerke sind zwar leistungsfähiger, doch sie sind oft nur mit großen Eingriffen in die Natur umsetzbar und stehen deshalb in der Kritik.

Das Hebewerk Lüneburg wird aus Kostengründen zunächst nicht umgerüstet. Doch in wenigen Jahren soll daneben eine neue Schleuse entstehen, die größer ist und die direkt mit der Pumpspeicher-Technologie geplant werden könnte. Das ist günstiger als eine Umrüstung des bestehenden Hebewerkes. Es wird spannend zu sehen, was aus der Idee wird.

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Quellen / Weiterlesen:
ENERGION: Erzeugung, Speicherung und Vermarktung von erneuerbaren Energien in der Region Nord | Leuphana Universität Lüneburg
Kanäle als Stromspeicher | Deutschlandfunk
Pumpspeicher am Schiffshebewerk: Zehn Jahre bis in Gewinnzone | LZonline
Wasserstraßen werden Energiespeicher | Erneuerbare Energien
Bildquelle: Wikipedia – By Ralf Roletschek (talk) – Fahrradtechnik auf fahrradmonteur.de (Own work) [GFDL 1.2 or CC BY-SA 3.0 de]


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Prof. Dr. Johann Nagengast

Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

2 KOMMENTARE

  1. Die Finanzierung muss halt stimmen. Aber unsere ex-Klimakanzlerin hat ja die Energiewende sauber an die Wand gefahren. Unter Anderem damit, dass solche Speicher einfach mies bezahlt werden.

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