Breite Kritik an der Kaufprämie für Elektroautos

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kritik-elektroauto-kaufpraemieIm Mai soll nach monatelangen Diskussionen die Kaufprämie für Elektroautos nun endlich kommen: Käufer zahlen für ein reines Elektroauto 4.000 Euro weniger, für ein Hybridfahrzeug 3.000 Euro. Die Kosten teilen sich Hersteller und Bund zu je 50 Prozent. Kaum beschlossen, wird die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge schon von allen Seiten heftig kritisiert.

Kritik kommt aus Wirtschaftsverbänden und aus der Politik

Bemängelt wird vor allem die Kurzlebigkeit einer solchen Maßnahme. „Die Prämie für E-Autos halte ich für einen schweren Fehler“, so Clemens Fuest, Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung ifo, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die 600 Millionen Euro wären seiner Meinung nach „besser in der Erforschung und Entwicklung neuer Umwelttechnologien angelegt.“ Ähnlich sieht es Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Er hält die Prämie für ein „Strohfeuer, das mit Steuergeldern entfacht wird“. Auch er plädiert stattdessen dafür, das Geld lieber in Forschung und Entwicklung zu investieren. Ähnlich äußerte sich auch der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt: Die Autoindustrie sei eigentlich selbst in der Pflicht, den Kunden bessere Angebote zu machen. Der Staat trage nur die Verantwortung für Forschungsförderung und Infrastruktur. Genauso sieht es der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Holger Schwannecke: Auch er hält die Kaufprämie nicht für den richtigen Weg, um Elektrofahrzeugen eine breitenwirksame Marktperspektive zu geben.

Aus den Reihen der Opposition kommt ebenfalls Skepsis: Thomas Lutze, Verkehrsexperte der Linksfraktion, bezweifelt einen „positiven Verkehrs- oder klimapolitischen Effekt“. Stattdessen solle man lieber den öffentlichen Personenverkehr fördern. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hingegen kritisiert vor allem die Finanzierung der Prämie über Steuergelder. Er plädierte stattdessen dafür, Käufer von „teuren Spritschluckern“ stärker zu belasten und mit diesen Geldern emissionsarme Fahrzeuge zu fördern. Auch der Autozulieferer Bosch bemängelt die fehlende Nachhaltigkeit einer Kaufprämie. Stattdessen solle die Ladeinfrastruktur ausgebaut und über die Anschaffung von Elektroautos im öffentlichen Dienst den Markt für Gebrauchtwagen anzukurbeln. Der Ausbau der Lade-Infrastruktur gehört wie die Erhöhung des Anteils von E-Fahrzeugen an der Flotte des öffentlichen Dienstes zu den Maßnahmen, die die Bundesregierung zusätzlich zur Prämie beschlossen hat.

Verband der Automobilindustrie und IG Metall sind optimistisch

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, stellte hingegen klar, dass es nicht um eine dauerhafte Unterstützung der Elektromobilität gehe, sondern um einen Startimpuls: „Und wenn der wirkt, dann kann das Starterkabel auch wieder weggelegt werden“, meinte er. Ein Blick in andere Länder zeigt, dass solche Programme zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage führen. Da die Prämie nur für Autos mit einem Kaufpreis von unter 60.000 Euro gezahlt wird, werden besonders die Hersteller massentauglicher Autos von der Maßnahme profitieren. „Das wird helfen, schneller als bisher Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen“, hofft Daimler-Chef Dieter Zetsche. Auch die IG Metall äußerte sich positiv: Die Prämie sei ein dringend notwendiger Schritt, dem nun konkrete Investitionen der Unternehmen folgen müssten. Eine Schlüsselrolle spiele dabei die Batterieförderung, so der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Hofmann. Auch Bosch setzt auf die Batterietechnologie als entscheidenden Faktor dafür, dass Elektroautos mittelfristig günstiger werden. Erst dann werde die Nachfrage in Schwung kommen. Der Autozulieferer forscht mit dem Startup Seeo an einer neuen Batteriegeneration, die halb so teuer und doppelt so leistungsfähig sein soll.

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Quellen / Weiterlesen:
Von Bosch bis Top-Ökonomen – Kaufprämie stößt auf Kritik – OnVista
Elektroautos – Kaufprämie stößt auf Kritik – Deutschlandfunk
Elektroauto-Kaufprämie: So reagiert Auto-Deutschland – ecomento.tv
Bildquelle: © NISSAN CENTER EUROPE GmbH


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Stephan Hiller

Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

3 KOMMENTARE

  1. Das war doch schon vorbeugender Gehorsam gegenüber der Neiddebatte! Trifft ja auch den i8…

    Geschickter wäre vielleicht gewesen, diese Preisgrenze (die natürlich ganz klar gegen Tesla gerichtet ist) erst später einzuführen, um Volkes Zorn zu besänftigen… 😆

    Die 3(?) Jahre Laufzeit sind wohl auch dem Markteinstieg des Model 3 geschuldet, das das nur ja keine Förderung bekommt. Insofern hast Du wohl Recht 🙄

  2. Meiner Meinung nach ist es falsch die Tesla-Modelle von der Förderung auszuschließen!!!

    Aber das ist wahrscheinlich europäischer Protektionismus.

  3. Es ist kaum zu glauben. In allen Ländern, die sich ernsthaft mit eMobilität befassen, ist die Kaufprämie ein fester Bestandteil der – erfolgreichen – Förderpolitik.

    Die Kritik mit den angeblichen Mitnahmeeffekten ist nichts weiter als eine primitive Neiddebatte. Mit einer selten kruden Logik:

    Da es eine absolute Prämie ist, werden gerade die Käufer von preiswerten eAutos besonders gut gefördert. 4.000 (oder 5.000, Renault legt z.B. noch die 1.000 Euro drauf, die Kniefieseler Schäuble basarmäßig runtergehandelt hatte) Euro sind gerade für Käufer kleinerer Autos ein besonderer Kaufanreiz.

    Steueranreize sind einfach nicht so wirksam, da sie ja fast unbemerkt sich über die Jahre verteilen. Der Mensch freut sich eben viel mehr über 5.000 bar auf die Kralle als über 10 Jahre á 500 Euro (oder 40 Euro im Monat).

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