Die Luftfahrt wird elektrisch, doch bis große Passagierflugzeuge lange Strecken strombetrieben zurücklegen können, wird noch etwas Zeit vergehen. Anders sieht es hingegen bei kleineren Flugzeugen aus. Der Sun Flyer ist ein serienreifes elektrisches Leichtflugzeug, das schon in zwei oder drei Jahren auf den Markt kommen soll. So lange dauert es wahrscheinlich, bis er eine Zertifizierung von der US-Luftfahrtbehörde bekommt. Der Viersitzer Sun Flyer 4 soll folgen.

sun-flyer-elektroflugzeugEntwickelt wurde der Sun Flyer 2 von George Bye und Bye Aerospace in der Nähe von Denver, Colorado. Der Flieger hat eine Spannweite von 11,6 Metern und wird von einem E-Motor mit 80 Kilowatt angetrieben, der seinen Strom aus Lithium-Ionen-Batterien zieht. Er wird bis zu 120 Knoten schnell und kann drei Stunden in der Luft bleiben. Die Ladezeit zwischen den Flügen gibt Bye mit 20 bis 30 Minuten an.

Elektroflugzeuge haben viel niedrigere Betriebskosten pro Stunde

sun-flyer-e-flugzeugDer Sun Flyer ist vor allem als Trainingsflugzeug interessant, und dafür ist er auch konzipiert. Mit Betriebskosten von einem Fünftel der Kosten eines herkömmlichen Flugzeuges wird ein Flugschein deutlich erschwinglicher, und auch die begrenzte Flugzeit ist hier kein Problem. Bye Aerospace gibt die Betriebskosten des Zweisitzers mit nur 16 US-Dollar pro Stunde an, was vor allem an der viel höheren Effizienz von Elektromotoren liegt. Zum Vergleich: Bei einer Cessna 172 sind es 88 Dollar. Die Betriebskosten des Viersitzers Sun Flyer 4 sollen bei knapp 20 Dollar pro Stunde liegen, dieser kann eine Stunde länger in der Luft bleiben. Die Anschaffungskosten werden Bye zufolge bei 249.000 US-Dollar für den Sun Flyer 2 bzw. 349.000 US-Dollar für den Sun Flyer 4 liegen.

Herkömmliche Flugzeuge eignen sich nicht nur Elektroantriebe

In der Entwicklungszeit des Sun Flyer hatte Bye zunächst eine Cessna 172 umgebaut. Doch musste er feststellen, dass sich konventionelle Flugzeuge nicht gut für elektrische Antriebe eignen. Sie sind für große, schwere Motoren ausgelegt, die viel mehr Kühlung benötigen als die kleineren und effizienteren E-Motoren. Der Sun Flyer wurde also von Grund auf neu entwickelt, mit einer schmaleren, stromlinienförmigeren Nase. Die Konstruktion erhöht außerdem die Effizienz des Propellers. Mit nur einem beweglichen Bauteil ist der Sun Flyer zudem sehr wartungsarm.

Erobert elektrisches Fliegen bald die Städte?

Da Elektroflieger nicht nur günstiger, sondern auch leiser und sauberer sind als herkömmliche Modelle, sind sie nicht nur für Flugschulen interessant. Die aktuelle Energiedichte von Lithium-Ionen-Batterien ist zwar noch nicht groß genug, um große Flugzeuge über lange Strecken elektrisch betreiben zu können. Doch im kommenden Jahrzehnt könnte elektrisches Fliegen den Zubringerverkehr in Metropolen verändern. Startups wie Lilium Aviation arbeiten bereits an kleinen elektrischen Flugtaxis, die Passagiere von Flughäfen in die Städte bringen sollen – innerhalb von wenigen Minuten. EasyJet arbeitet zusammen mit Wright Electric an einem Passagierflugzeug für 120 Personen, das schon in zehn Jahren auf der Kurzstrecke eingesetzt werden soll. Auch Siemens und Airbus haben ähnliche Pläne. Sie entwickeln gemeinsam ein Regionalflugzeug mit Hybridantrieb für 100 Passagiere, das 2020 abheben soll.

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Quellen / Weiterlesen:
Electric Flight Trainer | Sun Flyer
Das Elektroflugzeug wird serienreif | golem.de
Electric Sun Flyer Plans Fall First Flight | AINonline
Bilderquelle: © Sun Flyer


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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Eine schöne Entwicklung, wenn sie die dröhnenden Dinosaft verbrennenden Flieger ersetzen.

    Weniger schön, wenn der Himmel immer mehr gefüllt wird. Man möchte so ein Teil doch nicht im Vorgarten finden…

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